Nächtliche Rettungsaktion

Nach einem schönen Sonntagsausflug befand sich die Pilotesse auf dem Heimweg, als sie beim Beschleunigen ein seltsames Verhalten der kleinen Wanderdüne bemerkte: Im dritten und vierten Gang hörte es sich manchmal Sekundenbruchteile so an, als würde der Motor im Leerlauf hochdrehen. „Da musst Du dann wohl am Montag mal in die Werkstatt, Kleiner“, dachte sich die Pilotesse, denn normal war das eindeutig nicht.
Der kleine Jerome hatte irgendetwas bei der Ansage „morgen“ allerdings mißverstanden, denn an einer leichten Steigung, kurz vor einer Abfahrt, bemerkte die Pilotesse, dass Jerome überhaupt nicht mehr zog.
Null.
Nichts.
Gar nicht.
In keinem Gang…
Die Wanderdüne rollte genau zwischen Ein- und Ausfahrt auf den Standstreifen, kurz vor elf Uhr nachts. Da der grösste Horror der Pilotesse wäre, wenn ein Fahrzeug das Wohnmobil erfassen würde, liess sie die bewegungsunfähige Wanderdüne kurzerhand mit hart eingeschlagenem Lenkrad weiiiiiiit in den Grünbereich hineinrollen – und rief die gelben Engel.

IMG_3948

Um 23:36 war der Retter vom ADAC bereits da und bestätigte die Vermutung der Pilotesse: die Kupplung war hinüber.
So wurde die kleine Wanderdüne erst mit „Brille“ von der Autobahn in Sicherheit gebracht und dann in der Werkstatt von einem LKW huckepack genommen.

Fest verzurrt legte sie so die Kilometer bis in die heimatliche Werkstatt zurück.

IMG_3949

IMG_3953

IMG_3954

Und da steht sie nun, und wartet auf ihre Diagnose durch die Hand der Meister…

Werbeanzeigen

To boldly go where (probably) no L300 has gone before – Ukrainia!

Geplant hatte die Pilotesse die Fahrt in die Ukraine schon lange. Eigentlich aber mit dem PKW, denn der Weg ist weit, die Straßen dort berüchtigt und der Verkehr soll ja auch nicht ganz ohne sein ….
Nun, es kommt erstens immer anders und zweitens als man denkt. Statt der reiseerfahrenen routinierten vierbeinigen Reisegefährtin der letzten anderthalb Jahrzehnte hatte die Pilotesse auf einmal zwei komplett reiseunerfahrene neue vierbeinige Beifahrer auf der Fußmatte stehen. Einer davon zudem so dermaßen unhandlich, dass er bzw. sie nur schlecht in einem normalen PKW unterzubringen ist, wenn da auch noch reichlich Gepäck und ein Kollege drinsitzt.
Nach reiflicher Überlegung und einem gemeinsamen Testwochenende fiel die Entscheidung, die lange Reise mit der kleinen Wanderdüne anzutreten.
Gesagt, gepackt, getan. Bepackt wie ein Lastkamel tuckerte die kleine Wanderdüne an einem sonnigen Samstagmorgen geruhsam gen Osten. Die Spiegelungen am Heck der Vordermänner verrieten der Pilotesse sehr rasch, dass die linke Scheinwerferbirne den Geist aufgegeben hatte und da in Polen Tagfahrlichtpflicht herrscht, legte die Pilotesse bei der ersten größeren Pause Hand an:

IMG_3510

Weiter ging es durch die schöne Lausitz vorbei an allen möglichen verlockenden Ortschaften und Sehenswürdigkeiten Richtung Grenze. In Görlitz übernachtete das Quartett auf dem Wohnmobilstellplatz Rosenhof. Die Pilotesse hat keine Ahnung, wie da 70 Mobile stehen sollen – außer dichtgedrängt wie die Sardinen auf dem gepflasterten Parkplatz. Der Platz liegt praktisch, der hintere Bereich an einer großen Wiese mit Blick auf Görlitz und die Berge in der Ferne und ein paar Picknickbänken …aber 15 Euro? Auf dem Rückweg zog die Pilotesse jedenfalls das vergleichbare berechenbare, aber dafür kostenlose Ambiente eines Autobahnrastplatzes vor.

Am Sonntagmorgen ging es sehr, sehr früh weiter –  über die Grenze nach Polen, die ja keine Grenze mehr ist. Unbehelligt fädelte sich die Pilotesse auf die brandneue Autobahn ein und bestaunte den perfekten Ausbau und die unzähligen Rehe neben der Fahrbahn, geschützt durch endlose Kilometer Wildzaun. Wegen eines Feiertages war es den ganzen Tag sehr ruhig auf den Straßen Polens. Unruhig wurde die Pilotesse bei einem prüfenden Blick auf den Tankanzeiger. Irgendwo an dieser perfekten Autobahn müsste doch jetzt mal eine Tankstelle kommen…. Nitschewo. 350km gefahren. 360…. Wer Wanderdünen kennt, weiss, dass 400 die absolute magische Grenze mit einer Tankladung ist, und das auch nur mit Glück und defensivem Fahren. In ihrer Verzweiflung scherte die Pilotesse an der nächstmöglichen Ausfahrt von der Autobahn ab und ins nächste Dorf. Tankstelle, hurra! Aber kein Geldautomat. Keine Eurozahlung möglich. Das Polnisch der Pilotesse im selben Maß vorhanden wie ein Steak im Kühlschrank von Gwyneth Paltrow… – „Karta?“ Karta geht, hurra! Vollgetankt und wieder zurück Richtung Autobahn. Auf der Zubringerstrecke ließ die Pilotesse die kleine Wanderdüne dann mal alleine fahren und kochte sich einen Kaffee, denn angesichts der tiefen Spurrillen lief das Wohni ohnehin wie auf Schienen… – Scherz . Tatsächlich aber sind die polnischen Straßen neben der Autobahn meist in einem deutlich schlechteren Zustand und gerade mit dem schmalen Radstand des L300Vorsicht geboten.
L300 Fahrer kommst Du nach Polen – merke: Zum Tanken musst Du runter von der Autobahn 😉 dafür sind die polnischen Raststätten viel großzügiger und einladender dimensioniert als die deutschen. Und die Autobahn WCs um ein vielfaches sauberer, jawohl!

IMG_3517

Auch Polen war jedoch trotz der verlockenden Namen wie Wroclaw, Lodz und Lublin nur ein Transitland auf dieser Reise. Ein etwa 200 km langer Abschnitt der Fahrt im Inneren Polens (dort fehlt noch ein Stück Autobahn) verschaffte der Pilotesse, die bisher noch nirgendwo in Osteuropa unterwegs war, dann aber doch noch einen interessanten Einblick ins Land.

Nach vielen Stunden Fahrzeit und zwei vollen Tagen im Cockpit kam die Pilotesse dann nach Dorohusk an die Grenze zur Ukraine. Und hier wurde es dann so richtig „grenzerisch“. Penibel kontrollierten die polnischen Beamten Fahrzeug, Fahrzeugpapiere, Führerschein. Alle Türen mussten geöffnet werden und nicht zuletzt die Papiere der Hunde wurden genau beäugt. Von den polnischen Zöllnern als unbedenklich eingestuft wurde die Pilotesse samt Gefährt schliesslich an die ukrainischen Kollegen weitergereicht, wo sich das Ganze ebenso penibel wiederholte. Merke: Talontschiks sind nur scheinbar unwichtige kleine Zettel, auf denen von einem – bewaffneten – Grenzer Autokennzeichen und Zahl der Insassen notiert werden. In Wahrheit sind sie der magische Schlüssel, der von Amtsperson zu Amtsperson weitergereicht und abgestempelt wird, um am Ende von einem – bewaffneten – Grenzer wieder einkassiert zu werden, ehe sich der Schlagbaum öffnet. Zur Kontrolle der Hunde und deren Ausweisen wurde extra ein sehr freundlicher Veterinär herbeizitiert, die Kommunikation mit dem ebenfalls sehr freundlichen Zöllner lief in gutem Englisch. Denn auch das Ukrainisch der Pilotesse ist vergleichbar mit dem oben schon einmal erwähnten Steak im Kühlschrank von Gwyneth Paltrow… Nach insgesamt einer Stunde tuckerte der kleine L300 schliesslich viel bestaunt auf ukrainischen Boden. Weit und breit war nirgendwo überhaupt auch nur der Zipfel eines Wohnmobils zu sehen.

Wer jetzt an dieser Stelle einen ausführlichen Bericht über eine große Ukraine-Fahrt erwartet mit all den üblichen großen Städten von Kiew bis Odessa, den muss die Pilotesse enttäuschen. Ziel ihrer Reise war ein winziges Dorf mit einem unaussprechlichen Namen und einer schottrig schlaglöcherigen Zufahrtsstrasse einige Dutzend Kilometer hinter der Grenze. Dort fiel die Pilotesse unter dem endlosen Himmel der Ukraine „aus der Zeit“ und die kleine Wanderdüne stand unbehelligt einfach nur am Straßenrand.

IMG_3526

Ein einmaliger Besuch anläßlich Besorgungen in der nächstgrößeren Stadt mit ihrem quirligen Basar und den vielen Herausforderungen der Zukunft, die auf dieses Land zurollen und den Zeugen der Versäumnisse und Entbehrungen nicht nur der Vergangenheit, war die einzige Unterbrechung einer Abfolge von Tagen in einer anderen Welt aus einer anderen Zeit.

Auch wenn die Rückreise deutlich anstrengender war als die Hinreise – drei Stunden Warte- und Abfertigungszeit an der Grenze sei Dank – wird dies sicher nicht unsere letzte Reise in den „wilden Osten“ gewesen sein.

To boldly go….. – auch wenn wir die Schilder noch mühsam zusammenbuchstabieren müssen…

 

IMG_3667

Frühlingsluft

So langsam macht sich der Wohnmobilvirus wieder bemerkbar und die Pilotesse wird unruhig.

Eine kleine Ausfahrt käme ihr jetzt gar nicht mehr ungelegen…aber irgendwie passt es mit der Terminplanung noch nicht.  Und so steht die kleine Wanderdüne vorerst noch wohlverwahrt in ihrem Quartier. Allerdings hat sie sich als Organspender für einen vierrädrigen Kollegen betätigt: Der eingelagerte Originalkühler verhilft hoffentlich noch zu langen Fahrten 😉

Dass der Frühling und damit das Wiedererwachen der Wohnmobile naht, zeigt auch ein Blick in die Presse. Immer öfter werden Neuigkeiten für das Wohnmobilistenleben vorgestellt, so auch die runde Auffahrrampe. Was sich auf den ersten Blick nach einem Aprilscherz anhört, ist beim näheren Betrachten eine verdammt clevere Idee – nachzulesen hier:

Nix Strom

Noch steht das kleine Wohni auf dem Parkplatz hinterm Haus. Noch hofft die Pilotesse auf ein kleines, freies, herbstsonniges Wochenende.

Und noch müsste sie den ein oder anderen Kram aus dem letzten Urlaub aus der kleinen Wanderdüne räumen…

Heute abend ward der Schweinehund dann tatsächlich besiegt und die Pilotesse enterte im Dunkeln ihr Wohni durch die Einstiegstür.

Routinemäßiger Griff zur LED Latüchte, die wiederum direkt neben der Tür mit einem Konverter in ein nachträglich eingebautes Dreiergespann von 12 Volt Steckern – auch als „Zigarettenanzünder“ bekannt – eingestöpselt ist.

Klick macht der Schalter. Nix macht die Latüchte. Grummeln tut die Pilotesse .

Fummelt nach dem Schalter vom Konverter, aber auch da klickt es nur ohne erhellendes Ergebnis.

Fummelt nach der Taschenlampe, die ihren festen Platz neben der Tür hat (Pilotessen werden weise im Lauf der Zeit).

Deckenleuchte geht, Kühlbox summt beim Einschalten sofort los. An der Bordbatterie oder einer Hauptsicherung kann es also nicht liegen.

Die Kontrollleuchte des Dreiersteckers allerdings bleibt dunkel, und damit auch das Heck des Wohnis.

Immer noch grummelnd räumt die Pilotesse halbherzig den Schrank aus, auf dem der Dreierstecker montiert ist und in dessen Eingeweiden die Kabel verschwinden. Findet spannende Sachen, von denen sie gar nicht wußte, dass die sich in dem Schrank befinden…

Die Pilotesse folgt dem Kabel bis in eine Verteilerdose, die sich hartnäckig jedem Kontrollzugang verweigert. In einer Ecke des Schrankes sitzt der Schweinehund und grinst.

Die Pilotesse folgt dem aus der Verteilerdose kommenden Kabel, bis es durch die Schrankwand hindurch in einer Sitzbanktruhe verschwindet.

Der Schweinehund geht schon mal zur Tür. Die Pilotesse weiss genau, was sie aus der Truhe alles rausräumen muss, um dem Kabel bis zur Bordbatterie zu folgen.

Draußen beginnt es zu regnen. In der Wohnung warten Abendessen und Glühwein.

Die Pilotesse kapituliert . Morgen ist schliesslich auch noch ein Tag…

Am Fährhafen

Der Augenblick, in dem der Pilotesse wieder einmal klar wurde, was für ein außergewöhnliches Wohnmobil sie fährt…
IMG_2985

Bild

Englische Überraschung

Ei gucke da. Manche Dinge, über die die Pilotesse so vor sich hindenkt, lösen sich dann ganz von alleine.

Wenn von drei Wandersweibern eine aus beruflichen Gründen leider ausfällt, dann kann die Pilotesse die letzte im Bunde nicht alleine auf englischen Bergen herummarschieren lassen und währenddessen ihre vierbeinige alte Dame hüten. Denn das war der Faulenzerplan…

Also wird die kleine Wanderdüne auch im Herbsturlaub in England gebraucht – trotz gebuchtem Ferienhäuschen, und zwar als Wander-Hunde-Hotel!

Sprich, Frauchen schnauft hochroten Hauptes und entzückten Auges fluchend und schnaubend die Fells rauf und runter, während die alte Dame seniorengerecht den Nachmittag verpennt .

Was tut frau nicht alles für den Hund – England, wir kommen!

Ferrari-Rot

„Also, das Ferrari-Rot steht ihm eigentlich ganz gut…“

„Ja klar. Und wahrscheinlich haben Sie ihm auch ein gelbes Schwertransport-Lämpchen aufs Dach montiert…“

„Werden Sie ja gleich sehen….“

Ferrari-Rot???

Die Pilotesse hat weiss und beige bestellt. Ganz klassisch. Old-fashioned.

Wie in Drei-Wohnis-Namen kommen die Jungs auf Ferrari-Rot??

Die haben doch wohl nicht…..….egal, gleich isser ja da….

 

P1000554

Isser nicht schick??

Ein glänzendes Kerlchen!

P1000561

Keine merkwürdigen Mattschrumpellackierungen mehr!!

Aber wie verflixt noch eins kamen die Jungs denn jetzt auf Ferrari-Rot?

Die haben doch wohl nicht…

…aber die werden doch wohl….

P1000558

Sie konnten es sich nicht verkneifen – ein klitzekleines bisschen Ferrari-Rot musste einfach sein!

Vorherige ältere Einträge Weiter Neue Beiträge